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FAQ zum Dümmer - Schilfpolder

Fragen und Antworten zum Dümmer


Was ist ein Schilfpolder und wozu dient er?

Wir haben von dem geplanten “Großschilfpolder” gehört. Warum muss der so groß sein? Wann wird er gebaut? Wie lange dauert das? Wie funktioniert er?

Ein Schilfpolder ist künstlich geschaffenes Feuchtgebiet („constructed wetland“), das anstelle eines dem See natürlich vorgelagerten Feuchtgebietes die Funktion einer „stofflichen Senke“ übernimmt, in dem er Nähr- und Schadstoffe aus Fließgewässern effizient zurückhält. Die weiteren Funktionen natürlicher Feuchtgebiete (Natur- und Artenschutz) stehen bei diesem funktionsoptimierten Systemen hingegen nicht an erster Stelle.

Derartige künstlich angelegte Feuchtgebiete werden bereits erfolgreich in Dänemark und in den USA betrieben. Um die Funktionsweise eines solchen Schilfpolders für den Dümmer zu testen, wurde im Jahr 1988 ein Versuchsschilfpolder am Schäferhof angelegt und fünf Jahre lang mit Wasser aus der Hunte unter verschiedenen Betriebsbedingungen erfolgreich betrieben. Die Phosphor-Retention beruhte hauptsächlich auf der Sedimentation von partikulär gebundenem Phosphor. Nach Untersuchungen von Poltz (1989b) lag der partikuläre Anteil im Wasser der Hunte am Pegel Schäferhof bei etwa 50 % des Ges-Phosphors. Daneben wurden in geringerem Umfang auch gelöste anorganische Anteile durch den autotrophen Aufwuchs (vor allem durch benthische Kieselalgen) aus der fließenden Welle entfernt. Unter optimierten Betriebsbedingungen kann somit im Schilfpolder eine Phosphor-Reduzierung um bis zu 75% erzielt werden.

Dieser Frachtrückgang im Zulauf würde auch durch einen erheblichen Konzentrationsrückgang begleitet werden. Beim Phosphor würde das derzeitige Jahresmittel von etwa 0,14 mg Gesamt-P l-1auf etwa
0,05 - 0,06 mg Gesamt-P l-1 absinken. Bei saisonaler Betrachtung sind noch ausgeprägtere Konzentrations- und Frachtrückgänge während der abflussärmeren Vegetationsperiode auf Werte zwischen 0,01 - 0,03 mg Gesamt-P l-1 zu erwarten. Bei derart verringerten P-Konzentrationen im Zulauf des Dümmers soll sich durch eine verringerte Entwicklung der planktischen Algen während der Frühjahrsmonate ein günstigeres Lichtklima im Wasserkörper des Sees entwickeln. Dies wird den erneuten Aufwuchs von Unterwasserpflanzen auf dem Seeboden fördern, wodurch eine langanhaltende sommerliche Massenentwicklung von Blaualgen unwahrscheinlich würde.

Um auch bei einem normalen Frühjahrshochwasser eine ausreichend hohe Phosphorretention durch Sedimentation von partikulär gebundenem Phosphor zu erzielen, muss das Poldersystem entsprechend dimensioniert werden. Im Rahmen einer Vorentwurfsplanung des StAWA Sulingen (1997) wurde damals der Bau eines 200 ha großen Schilfpolders am Dümmer berechnet. Die letztendliche Größe des Polders ist jedoch ebenfalls von weiteren Faktoren abhängig, die sich seit den 1990er Jahren z.T. verändert haben. Auch Maßnahmen, die dem Hochwasserrückhalt im Einzugsgebiet dienen oder die Renaturierung der Hunte zwischen Bohmte und Hunteburg sowie weitere Maßnahmen im Bereich der Landwirtschaft, die den Nährstoffeintrag aus dem Einzugsgebiet reduzieren, werden bei der Bearbeitung des 16-Punkte-Planes zur Sanierung des Dümmers berücksichtigt. Alle diese Maßnahmen haben entscheidenden Einfluss auf die letztendlich zu planende Größe und somit auf die Kosten des Großschilfpoldersystems.

Um eine genauere Abschätzung der Größe und der Kosten des Schilfpoldersystems zu erhalten, ist im Rahmen des 16-Punkte-Plans ein Gutachten in Auftrag gegeben worden, dass bis Mitte des Jahres erste Ergebnisse liefern soll.

Sollte der Bau eines Großschilpolders durch die Landesregierung beschlossen werden, so ist inklusive Planungs- und Genehmigungsverfahren mit einer Fertigstellung bis zur vollen Funktionsfähigkeit – mit etabliertem Schilfbestand – von etwa 10 Jahren zu rechnen. Mit ersten Erfolgen bei der Nährstoffretention ist jedoch auch schon vor der vollständigen Entwicklung des Schilfbestandes zu rechnen, durch die umgehend einsetzende Sedimentation von partikulärem phosphorhaltigem Material im Polder.


Gibt es Alternativen zum teuren Schilfpoldersystem

Alle Experten sind darin einig, dass die hohe Nährstoffzufuhr über die Hunte in den Dümmer zu den jetzigen Problemen geführt hat und weiterhin führen würde. Alle Restaurierungsmaßnahmen im See selbst wären derzeit weder wirtschaftlich noch nachhaltig. Die Lösung kann daher nur in einer Verringerung dieser Nährstofffrachten liegen. Denkbar wäre, dem zufließenden Huntewasser durch eine chemische Ausfällung den Nährstoff Phosphor zu entziehen, um die technische Machbarkeit einer derartigen „Flußkläranlage“ zu prüfen wurde bereits 1988 von der STAWA –Sulingen im Rahmen einer Vorstudie der finanzielle Aufwand für die Errichtung und den Betrieb einer Phosphat-Eliminationsanlage an der Hunte geprüft. Die zu erwartenden Kosten überstiegen schon damals bei weitem die eines naturnahen Schilfpoldersystems.
Nachweisbare Erfolge sind auch nicht bei dem Einsatz sogenannter innovativer alternativer Gewässer­reinigungsmethoden wissenschaftlich belegt.

Der „Königsweg“ wäre sicherlich eine Sanierung des gesamten 346 km² großen Einzugsgebiet des Sees mit der Etablierung einer nachhaltigen landwirtschaftlichen Bewirtschaftung der Flächen. Diese wäre in der Lage, die immensen Stoffausträge aus den Böden zu vermeiden, die auch zu einer zunehmenden Degradierung der Böden führen wird. Derartige strukturelle Umstellungen würden jedoch etliche Jahrzehnte beanspruchen (und weitaus höhere Kosten verursachen) bevor sich auch eine Verbesserung des gewässer­ökologischen Zustandes des Sees zeigen würde.


Wann kann man mit den ersten Erfolgen rechnen?

Bei dem zu planenden und zu errichtenden Großschilfpolder handelt es sich – genauso wie beim Dümmer – um ein komplexes biologisches System, dessen Funktionsfähigkeit durch den Versuchsschilfpolder am Schäferhof gegen Anfang der 1990er Jahre grundsätzlich bewiesen wurde.
Bereits unmittelbar nach der Inbetriebnahme des Schilfpolders, wird im strömungsberuhigten Bereich des Polders eine deutlich erhöhte Sedimentation von mitgeführten Partikeln aus dem Wasser der Hunte stattfinden, wodurch partikulär gebundenes Phosphat und Sediment vor dem Dümmer zurückgehalten wird. Allerdings kann erst dann mit der erwartet hohen Retentionsleistung des Schilfpoldersystems gerechnet werden, wenn der Schilfbestand im Polder etabliert und die hydraulische Steuerung des Systems optimal an die Wasserfracht der Zuflüsse angepasst ist. Das komplexe Seeökosystem reagiert dabei erfahrungsgemäß mit einer schwer prognostizierbaren – da von See zu See individuell unterschiedlichen – Verzögerungszeit, die in Jahren zu rechnen ist.


Wir haben gehört, ein "Großschilfpolder" für den Dümmer kostet ca. 20 Mio €. Stimmt das? Warum kostet das so viel? Wer muss das bezahlen?

Ein zentraler Bestandteil des 16-Punkte-Planes zur Sanierung des Dümmers ist die Überprüfung und Aktualisierung der Vorplanung des StAWA Sulingen (1997) über die Errichtung eines Schilfpolders, insbesondere hinsichtlich Kosten und Realisierungsmöglichkeit in Bezug auf Flächenerwerb, Unterhaltung und Betrieb sowie Entsorgung anfallender Abfälle. Die Erfolgsaussichten eines Schilfpolders sollen ebenfalls beurteilt werden. Diese Aktualisierung steht im direkten Zusammenhang mit zusätzlichen Maßnahmen im Einzugsgebiet des Dümmers, die helfen können, die Nährstoffeinträge nachhaltig zu reduzieren. Erst nach Abschluss der dazu erforderlichen Arbeiten und Fertigstellung des Rahmenkonzeptes zur Dümmer­sanierung, das als Entscheidungsgrundlage der Landesregierung am 01.12.2012 vorgelegt werden soll, können genauere Aussagen über den Flächenbedarf und die voraussichtlichen Kosten für einen Großschilf­polder gemacht werden.


Literatur:

FEIBICKE, M. (2006): Was können künstliche Feuchtgebiete zum Rückhalt von Nährstofffrachten aus diffusen Einträge leisten? – Rostock. Meeresbiolog. Beitr., Heft 15, 61-73 - zu finden unter:
Hunte-Wasserverband.de

Poltz , J (1989b): Phosphat in der oberen Hunte. Untersuchungen zur Nährstoffbelastung des Dümmers - Mitteilungen aus dem Niedersächsischen Landesamt für Wasserwirtschaft Hildesheim 7: 157-234 – siehe auch in Poltz , J (1990): Seen in Niedersachsen, Der Dümmer – zu finden unter:
Hunte-Wasserverband.de


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